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Sony NEX-5 - Erfahrungsbericht

Vor ca. 3 Wochen habe ich mir eine Sony NEX-5 besorgt. Ich habe lange damit gerungen, da ich im Vorfeld bereits zweimal einen Versuch gestartet hatte, neben meiner DSLR eine Kompaktkamera zu verwenden und in keinem Fall glücklich geworden bin. Aufgrund der vielen durchweg positiven Rezensionen und einer recht schlüssig wirkenden Bedienung bei meinen ersten eigenen Betrachtungen im Laden habe ich dann zugeschlagen. Warum die NEX-5 anstatt der günstigeren NEX-3? Letztlich empfand ich den Aufpreis für ein Magnesium- anstatt Plastikgehäuse, FullHD Video und den dickeren und für meine großen Hände (ich bin 192cm groß) angenehmeren Griffballen rechtfertigend genug. Im folgenden eine Betrachtung der Kamera im Einsatz. Ich will hier nicht auf technische Details, Bildqualität etc. eingehen. Hierzu gibt es zig ausführliche Tests im Netz. Dies ist ein ganz subjektiver Erfahrungsbericht.
Verarbeitung und Bedienung
Die Verarbeitung der Kamera ist klasse. Sie fühlt sich wertig in der Hand an, massiv und man hat nicht den Eindruck, dass man Ihr zu schnell zusetzen kann, auch wenn es mal ein etwas robuster zugeht. Die Spaltmaße sind gleichmäßig und kompakt, insgesamt also vom Äußeren her nichts zu beanstanden. Die Objektive (ich hatte sowohl das 16mm Pancake als auch das 18-55mm Zoomobjektiv) lassen sich wie von DSLR-Kameras gewohnt per Knopfdruck und Schraubverschluss vom Bajonett lösen. Hier empfand ich das sehr leichte Gewicht der Objektive als sehr irritierend. Aber letztlich ist es ja eigentlich genau das, was dieses Kamerasystem für mich so interessant gemacht hat. Eine handliche und leichte Kamera mit Wechselobjektiv und allen manuellen Einstellmöglichkeiten. Das Gewicht geht natürlich mit einem kleinen Linsendurchmesser einher, was für eher mäßige Lichtstärken der Objektive sorgt. Bei 55mm Brennweite habe ich als größte Blende bereits 5,6 erreicht. Das derzeit 3. Objektiv im Angebot kommt bei 200mm auf schlappe 6,3. Aber gut, Kompromisse muss man hier eben eingehen.
Die Menüs empfand ich als sehr angenehm. In diversen Tests wurde bemängelt dass sie teils zu kompliziert und für DSLR-Nutzer ungewohnt aufgebaut sind, da Einstellungen nicht in den Bereichen zu finden sind, wo man sie erwarten würde. Das konnte ich nur bedingt so nachempfinden. Insgesamt hat sich mir das Interface logisch erschlossen und nach einer halben Stunde herum probieren, testen, schauen und experimentieren hatte ich den Dreh schnell raus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Steuerung erfolgt fast Ausschließlich über ein 5-Wege Rad, ähnlich dem des iPod (Video/Classic). Auch im manuellen Modus lassen sich so sehr schnell Blende und Verschlusszeit anpassen. Etwas umständlicher, da jedes mal der Weg übers Hauptmenü führt ist das Festlegen des ISO-Werts, beginnend ab 200. Insgesamt aber hat Sony seine Sache hier wirklich gut gemacht.
Aufnehmen mit der NEX-5
Aufnehmen. Das A und O einer Kamera. Zu Beginn hatte ich vorrangig in Räumen getestet, da ich neben der Arbeit keine Zeit fand mal nach draußen zu gehen, wo es sowieso nur dauerregnete, hier in Leipzig. Hier empfand ich das Display als angenehm kontrastreich, alle Parameter so wie das anvisierte Motiv wurden gut dargestellt. Als ich dann allerdings einige Tage später im Zoo war sah das schon anders aus. Zwar konnte man auch hier bei Tageslicht (kein direkter Sonneneinfall) noch alles gut erkennen, allerdings empfand ich es irgendwie als befremdlich, nur auf ein kleines Display zu gucken, um mich rum tausend andere Dinge die man sieht… hier ist mein Auge einfach zu sehr auf einen richtigen Sucher geschult, mit dem ich mich auf mein Motiv und die wichtigen Kameraparameter konzentrieren kann. Das Aufnehmen über das Display weckt bei mir absolut keine Freude am Fotografieren. Aber es gibt da ja den optional erhältlichen Sucher. Nicht elektronisch, nur optisch- für knapp 300€, UVP von Sony. Im Netz findet man das Ding aber bereits deutlich günstiger. Der Haken, der mir erst später klar wurde: Der Sucher funktioniert ausschließlich am 16mm Pancake-Objektiv. Weswegen ich dann für eine so eingeschränkte Funktionalität so viel Geld ausgeben soll, erschließt sich mir nicht. Generell lässt sich Sony das Zubehör sehr teuer bezahlen (wie man es von Sony eben kennt). Ein kleines Richtmikro zum aufsetzen für bessere Tonqualität bei Videoaufnahmen schlägt ebenfalls mit ca. 300€ zu buche. Ein Akku liegt bei 99€ UVP (Im Netz für knapp 70 zu kaufen). Das 18-200mm F3,5-6,3) Objektiv schlägt mit 800€ zu Buche. (Zum Vergleich, das 70-200 L Objektiv mit einer durchgängigen Lichtstärke von 4 kostet gerade mal 2/3 davon. Aber gut, kompaktere Bauweise, aufwändiger… ich will das nicht 1:1 vergleichen).
Mein Fazit zum fotografieren: Das Display an sich ist wirklich fantastisch, allerdings muss man sich auch damit anfreunden können, ausschließlich über die Flimmerscheibe zu visieren, fokussieren und zu fotografieren. Ich für meinen Teil kann es nicht und bin enttäuscht über den “verkrüppelten” Sucher.
Sonstige Anmerkungen
Bleibe ich erst noch einmal beim Thema Objektive. Ich finde es ausgesprochen Schade, dass Sony mit den drei bisher erhältlichen Objektiven die Brennweiten derart überschneiden lässt. 16mm, 18-55mm, 18-200mm. Warum muss letzteres Objektiv auch bereits im Superweitwinkel-Bereich beginnen. Würde es nicht reichen hier bei 50mm oder gar erst 70mm zu starten? Das würde noch ein wenig Gewicht sparen und könnte zudem positiv auf die Bildqualität auswirken. Aber hier wird ja noch einiges nachrücken, wie ein geplantes 3D-Objektiv, mit dem sich direkt 3D-Aufnahmen machen lassen. Man kann sicher sein, das Sony hier noch eine ganze Menge spannender Accessoires aus dem Ärmel zaubert. Vielleicht auch Objektive in Silber als ausch Schwarz, so dass die bisherigen ausschließlich silbernen Linsen auch optisch schöner zu einem schwarzen Body passen.
Thema Kundenservive- das gehört für mich auch immer zwingend zu einem Produkt hinzu. Ich hatte das 18-55mm Objektiv direkt im SonyStyle-Store bestellt, da es sonst nirgends einzeln erhältlich war. Mit der Rückgabe der Kamera wollte ich natürlich auch das Objektiv zurückgeben. Es hat mich hier 10 Tage und vier Anrufe gebraucht, bis ich ein Retourenticket erhalten habe. Alternativ hätte ich auch auf eigene Kosten nach Holland schicken können- für schlappe 17€. Die Warteschleife bis zum Kundenbetreuer hielt mich dann in der Regel 20 Minuten gefangen- sofern ich nicht plötzlich rausgeworfen wurde nach 15 Minuten warten. Hier hat sich Sony nicht mit Ruhm bekleckert. Allerdings ziehe ich das Pech auch manchmal an. (Mit T-Mobile lebe ich wiederum seit 8 Jahren absolut harmonisch zusammen).
Fazit
Für mich ist die NEX-5 keine Option. Dies liegt in erster Linie daran, dass mir ein Sucher fehlt, den ich mit allen Objektiven verwenden kann, so wie an der frechen Preispolitik von Sony. Das sind letztlich keine Argumente die die Kamera schlecht machen- das ist sie nicht. Die Bildqualität ist in der Tat ausgezeichnet für eine Kamera dieser Größe und auch die Handhabung ist größtenteils intuitiv und unkompliziert. Zudem überzeugt sie mit netten Features wie dem Schwenkpanorama, durch dass sich im Handumdrehen nahtstellenfreie Panos erzeugen lassen. Was meine Bedürfnisse angeht, behalte ich aber weiterhin eine richtige DSLR. Sollte ich doch irgendwann einmal wieder den Versuch starten, eine kompakte und ergänzende Kamera haben zu wollen, teste ich erst einmal ob die Cam meines iPhone4 nicht ausreicht- und wenn nicht, dann wird es ein ganz kleines Modell mit Sucher, möglichst wenigen Pixeln und keinem Wechselobjektiv. Eben etwas richtig kompaktes.
Die NEX-5 ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Für meinen Geschmack, wohlgemerkt! Weniger Empfindliche Anwender bzw. jene, die von der kleinen Kompaktknipse Richtung DSLR gehen möchten, ohne aber einen 5 Kilo Rucksack mit sich herumzutragen zu müssen, ist die NEX-5 ganz unbedingt eine nähere Betrachtung wert.