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Artikel
Phänomene der Fotografie
Als ich vor ein paar Tagen durch Graz gestapft bin, um endlich mal wieder meine Canon 5D mit bunten Pixeln zu füttern sind mir mal wieder zwei bemerkenswerte Phänomene in Bezug auf das Hobby „Fotografieren“ aufgefallen.
1. Taxieren fremden Equipments
Trifft man mit umgehängtem Kameraequipment auf andere Fotografen, die ebenfalls mit (in der Regel) SLR-Kamera und/oder Fototasche unterwegs sind, beginnt im Vorbeigehen regelmäßig eine Art Wild-West-Showdown.
Mit scheinbar beiläufigem Blick wird erst das Gesicht des anderen Fotografen taxiert, dann erfolgt die Analyse des Equipments des anderen. Natürlich muss ich nicht erwähnen, dass es den Männern dann in erster Linie darum geht, ob die eigene Ausrüstung denn besser ist, als die des „Feindes“. Danach noch mal der abschließende Blick ins Gesicht, ob „der da“ überhaupt mit sowas umgehen kann. Manchmal gibt es noch ein abschließendes Lächeln- natürlich aus Selbstgefälligkeit, weil man den persönlichen Vergleich gewonnen hat. Den gewinnt man übrigens immer. Auch wenn der andere das tollere Objektiv hat. Dann ist er eben einfach doof, weil er sie unprofessionell trägt, oder das Drehrad ganz klar sichtbar auf dem grünen Rechteck steht. Gründe gibt es immer. Man muss nur kreativ sein. Aber das ist man ja als unbestritten toller Fotograf ja sowieso.
2. Wisse was Du tust, denn andere tun es nicht
Ebenfalls immer wieder erstaunlich ist die Tatsache, wie man andere, insbesondere Schnappschussfotografen, allein durch seine Anwesenheit zum fotografieren bestimmter Motive „zwingt“. Eindrucksvoll bestätigt bekommen habe ich das erneut auf dem Grazer Schloßberg an der Freiluftbühne. Als ich auf eine bestimmte Stelle zu ging, von der aus ein schönes warmes Streulicht über die alte Fassade der Wände fiel war dort alles menschenleer. Niemand achtete darauf und ging einfach vorbei. Dann postierte ich mein Stativ mit der Kamera drauf, und schon ging es los:
Jeder, wirklich jeder, mit Knipse in der Hand warf erst einen Blick auf mich, dann ganz grob auf die Bühne und Mauerwerk. Man konnte genau ansehen, wie sie eigentlich nichts spannendes entdecken konnten. Ein kurzer Blick in den Bühnengraben, dann nochmals kurz zu mir mit meinen Stativ, Kamera hochgehalten und grob so wie meine ausgerichtet, abgedrückt ohne zu gucken und weiter mit Sightseeing. (Als ich den für mich optimalen Ausschnitt gefunden hatte stellt sich natürlich noch einer dieser Spezialisten so hin, das der lange Schatten von ihm mir mein Bild versaut. Also zögere ich mit dem Auslösen und darf dann als Dankeschön 25 Minuten warten bis sich eine Miniwolke vor der Sonne Hin-und-Her und dann schließlich ganz weg geschoben hatte.)
Ich habe das dann zum Test mal weiter getrieben und auf ein vollkommen belangloses Stück Mauer im tiefsten Schatten fokussiert. Voll mit Unkraut, ein paar Müllfetzen und andern Dingen mit denen man alles andere tut, als sie zu fotografieren. Dazu ein wenig angestrengt durch die Linse geguckt und an den Einstellungsrädchen gedreht. Im Handumdrehen hat bestimmt jeder Dritte dieses Stück Mauermüll als wertvolle Erinnerung an Graz festgehalten. Bemerkenswert. Wirklich bemerkenswert vor allem dann, weil man sicher sein kann, dass Zuhause bei der Präsentation der 100.000 Bilder vor vier gelangweilten Verwandten dann aber mit breiter Brust auf seine kreative Höchstleistung als gewiefter Fotograf hingewiesen wird. Meinen Glückwunsch!
Sven | 19.03.2010
Wahre Worte. Deswegen bewege ich mich zur Zeit gerne mit einer µ4/3 durch die Straßen – da wird man nicht ernst genommen. Vielleicht passend zum Thema, shoot the shooters:
http://tinyurl.com/yjravh2
Danis | 26.04.2010
Wow, wie du recht hast Philip!
Ganz interessant finde ich auch, wie die Menschen sich gleich ganz anders verhalten, wenn man einfach mal “die Masse” fotografiert, nichts mit natürlichem Verhalten ;)