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2011 08.11. Dienstag
Papierkomplizen 2011 - Faszination Papier
Vergangenen Freitag fand in Zürich die Veranstaltung „Papierkomplizen“ statt. Es war bereits das vierte Mal, dass die Papierbranche diese sehr spannende Veranstaltung ins Leben gerufen hat, um die kreativen Facetten der Papierproduktion- und Verarbeitung zu demonstrieren. Sicherlich nicht ganz uneigennützig, denn das Web stellt nach wie vor eine Herausforderung dar, gegen die sich die klassische Branche behaupten will und muss. Zum Glück. So sehr ich das Web schätze und damit mein Geld verdiene - das analoge Medium Papier übt auf mich einen deutlich künstlerisch kreativen Reiz aus, was sicherlich auch in der Haptik liegt, die mit dem Medium Papier so vielfältig aufgegriffen werden kann.

- Entlang der Stände der Aussteller
- Papier-Nashörner…
- … und Papierfische
- Zweidimensionale Siebdrucke
- Fehlerhafte Drucke wurden experimentell in die Tiefe gebracht
- In etwa 6-monatiger Nebenbei-Arbeit entstehen dreidimensionale Kapseln mit aufwändigen Drucken
- Die Vorträge werden anmoderiert
- Das interessierte Fachpublikum
- Joost Grootens erzählt über die Gestaltungsideen seiner Atlanten und Infografiken
Künstler, Produzenten und Referenten
Auf einer überschaubaren Fläche im Zürcher Papiersaal präsentierten Papierhersteller wie Fedrigoni, deren Produkte mich immer wieder überzeugen (meine komplette Geschäftsausstattung basiert auf dem Constellation Snow von Fedrigoni) und Papierveredler wie Sonderegger was sich heutzutage alles produktionstechnisch mit Papier anstellen lässt. Das war kreativ höchst anregend und führte direkt zu dem Verlangen meinerseits, mich demnächst mit „Papierbasteleien“ zu beschäftigen.
Neben gewerblichen Repräsentanten zeigten zudem viele Künstler, was sie mit Papier so alles anstellen. Dies ging von klassischen Siebdrucken, über aufwändige, dreidimensionale Montagen, komplexe Origamifaltereien, Schneide- und Falzarbeiten, Lampen aus aufgeschnittenen Büchern und vielen anderen außergewöhnlichen Ideen. Ein längeres Gespräch hatte ich dabei mit Pascal Kehl von Fabrik30, dessen Werke mich besonders angesprochen haben (in der Bildergalerie die Dreierserie mit den zwei- und dreidimensionalen Drucken)
Dabei hielt sich alles in dem kleinen, sehr persönlichen Rahmen, so dass man schnell ins Gespräch kam, Fachsimpeln oder einfach nur Small-Talk betreiben konnte.
Essen und Lauschen
Auf einem weiteren Stockwerk, oberhalb der Ausstellungsfläche, gab es ein kleines Buffet mit Bratwürsten, gegrilltem Gemüsespieß, Kartoffeln und Bier. Einmal Essen und Trinken war bereits im (kostenlosen!) Besuch inbegriffen.
Besonders interessant war dann auch der erste Vortrag des (ursprünglich) Architekten Joost Grootens aus Amsterdam, der inzwischen seit 10 Jahren Bücher gestaltet und einen Einblick in die Art seines Schaffens gab. Sein Fokus liegt auf dem Entwerfen von Atlanten mitsamt ansprechender und verständlicher Infografiken. Ein sehr lehrreicher und unterhaltsamer Vortrag. Inzwischen gibt es ein bereits vergriffenes Buch über seine eigene Arbeit (100 Bücher in den letzten zehn Jahren), dass bei Amazon jedoch noch gebraucht erhältlich ist.
Den zweiten Vortrag konnte ich aus Zeitgründen nicht mehr mitnehmen, da ich noch meinen Zug nach Hause erwischen musste.
Alles in Allem eine rundum gelungene Veranstaltung die ich jedem Kreativen, egal welcher Branche, ans Herz legen kann. Das die Papierkomplizen kommendes Jahr erneut ausstellen, halte ich für gegeben. Ich wäre auf jeden Fall wieder dabei und hoffe schon jetzt, den Verlag Hermann Schmidt aus Mainz dort anzutreffen, der 2010 dort vertreten war.
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2011 24.10. Montag
Beruflicher Kurswechsel

Es ist nun gut drei Monate her, dass ich meine Selbständigkeit, die immerhin knapp vier Jahre währte, an den Nagel gehängt habe, um mich wieder als Angestellter zu verdingen.
Die Entscheidung ist damals bewusst, wenn auch sicherlich nicht leicht gefallen. Das ewige Pro und Contra: Freie Zeitbestimmung, komplette Eigenverantwortung und mehr oder weniger freie Projektwahl gegenüber festen Arbeitszeiten, regelmäßiger Bezahlung und dem einfachen Wissens- und Gedankenaustausch im Team.
Nach dieser noch frischen Zeit als Angestellter hier mein bisheriges Resumée zu den beiden Status und wie ich sie im direkten, noch frischen Vergleich für mich einordne.
Die (Frei)Zeit
Ohne Frage, die freie Zeiteinteilung als Selbständiger ist das Nonplusultra. Nicht nur, weil man mal Frühs, mal Nachts arbeiten kann, bei schönem Wetter einfach mal die Sonne auf einer Wiese geniesst, sondern auch weil organisatorische Dinge, Behördengänge, Einkäufe und all das wirklich funktionieren. Im Laufe der Selbständigkeit habe ich das nie so bewusst wahrgenommen, es war selbstverständlich. Nun, bei 8,4 Arbeitsstunden am Tag, Fahrt zur Arbeit und zurück bleibt nicht mehr viel über. Während der Woche passiert nicht viel produktives, zumindest in meinem bisherigen Rhythmus. Auf der anderen Seite erfährt das Wochenende eine neue Wertschätzung. Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich, abgesehen von der stressigen Phase am Ende der Schulzeit vor 12 Jahren die zwei freien Tage derart ausgekostet habe. So schräg das klingt, aber das ordne ich „pro Angestelltenverhältnis“ ein.
Das Arbeitsumfeld
Hier prallen für mich zwei Welten aufeinander. Was ich definitiv genieße und was auch ein Hauptgrund für meinen Wechsel weg von der Selbständigkeit war, ist die Möglichkeit, täglich mit vielen Leuten zu interagieren, sich auszutauschen und sowohl über Arbeit als auch private und gesellschaftliche Dinge zu diskutieren. Das Team in dem ich bei der Messe Basel arbeite ist phantastisch und meine Teamchefin/Abteilungsleiterin ist einfach nur großartig. Vielleicht ist es aber auch nur Ablenkung und nach der Probezeit wird dann die Peitsche rausgeholt… Bald weiß ich mehr. ☺
Auf der anderen Seite schmerzt es nach wie vor, wenn man sein vertrautes, über die Jahre hinweg aufgebautes und optimiertes Bürosetting gegen ein recht unattraktives Großraumbüro austauscht, dessen blassgelbe Tische, schwammigen Bürostühle und zwischenzeitlich enorme Lärmpegel das Wohlfühlen auf eine harte Probe stellen. Und nur weil Vitra auf den Möbeln steht, muss das nicht gleich ansprechend gestaltet sein…
Ebenfalls leichter war die Essensbeschaffung zu Hause. Schnell an den Kühlschrank, ein Brot geschmiert oder aber zur Entspannung einfach mal was Leckeres gekocht. Davor eine Runde Sport gemacht, auf dem Radl oder im Fitness Studio… nun wird in erster Linie das Bäuchlein kultiviert. Meine zwischenzeitlichen Ambitionen, zu gekochtes auf Arbeit mitzunehmen hat sich nie in die Tat umsetzen können. Vermutlich auch, weil ein Mittagessen mit Blick auf den Arbeitsplatz nur beschränkt den Appetit anregt.
Die Arbeit
Die Messe ist keine Kreativagentur. Von daher fällt es schwer, die Jobs hier direkt mit denen aus einer rein gestalterischen und redaktionellen Selbständigkeit zu vergleichen. Allerdings ist meine Entscheidung bewusst gegen eine Kreativbutze gefallen. Zumindest wäre ich nie im Leben zu 100% in einem Grafikbüro eingestiegen. Bei der Messe waren vor allem die recht geregelten Arbeitszeiten und der Umstand, dass alle Überstunden ausgeglichen werden ein entscheidendes Kriterium. Zudem hat mich der organisatorische Aspekt gereizt, den ich mit meinem Amt als Art Director fürs Web nun innehabe.
Das Online-Team in dem ich arbeite und das gerade massiv ausgebaut wird, soll eine stark beratende, konzeptionelle und aufklärende Funktion im Bereich Neue Medien innerhalb der Firma einnehmen. Das ist genau die Schiene, die mir bei den vielen kleinen Projekten als Selbständiger immer wieder gefehlt hat. Dieser Aufbau und damit das Einreißen von Altbewährtem, ist sicherlich ein holpriger Weg, aber gerade diese Auseinandersetzung, der Umgang mit den verschiedensten Charakteren und Meinungen ist für mich eine spannende Erfahrung, die mich auch persönlich enorm weiterbringen wird.
Daneben fallen dennoch einige gestalterische Arbeiten an, bei denen ich mir, trotz vieler (noch) vorhandener recht starrer Einschränkungen die ein oder andere kreative Idee aus den Fingern saugen kann. Zudem bemerke ich, wie viele Dinge, die ich als Selbständiger komplett vernachlässigt habe, allmählich wieder beginnen unter den Nägeln zu brennen: Das Weiterschreiben an meiner neuen Grundlagenschulung zu Photoshop, das Zeichnen in meinem Blackbook etc. So gesehen also ein Vorteil, auf Arbeit nicht zu kreativ sein zu können.
Mein Fazit
Zugegeben, nach so einer kurzen Zeit kann ein Fazit vielleicht nicht ernst genommen werden. Zu sehr hängt man noch an dem Vertrauten, aber einige Dinge zeichnen sich für mich dennoch bereits jetzt klar ab:
Der Weg aus der Selbständigkeit war eine sehr gute Entscheidung. Alleine die Möglichkeit, mit anderen Personen jeden Tag zusammen zu arbeiten und sich auszutauschen ist in meinen Augen der viel schnellere Weg, sich zu entwickeln. Ich lerne mit Widerständen verschiedenster Art umzugehen, bekomme den souveränen Umgang einiger Kollegen mit anderen Menschen mit und nehme all diese Eindrücke, sowohl negative als auch die vielen Positiven mit Freude auf und merke bereits jetzt, wie ich daran reife.
Auf der anderen Seite zeigt mir die 100%-Anstellung auch deutlich, dass dies kein Status ist, den ich mir über viele Jahre hinweg beibehalten möchte. Zu sehr hänge ich dafür am Entwickeln eigener Projekte und Ideen, frei von dem Willen Anderer. Hier sind vor Allem meine Bemühungen im Bildungsbereich durch Schulungen und Lerndokumente zu nennen. Mein ehemaliges Portal Photozauber ist entstanden, weil ich die Zeit und die Leidenschaft dazu hatte, dem nachzugehen. Zeit, die nun einfach fehlt. Ebenso die Zeit, sich intensiv mit neuen Trends auseinanderzusetzen, zu Experimentieren und Testen. Das ist für mich vielleicht das gefährlichste an einer Festanstellung, in der für solcherlei Dinge keine Ressourcen verfügbar sind. Es fällt schwer sich Abends noch im Privaten aufzuraffen, nochmals ein paar Stunden am Computer zu sitzen.
Wie es mittelfristig genau weitergeht will ich gar nicht orakeln. Bis auf eine Reduzierung meiner Stelle um ein paar Prozent im kommenden Jahr lasse ich alles einfach passieren. Dinge passieren sowieso wie sie wollen- und das ist auch gut so. Damit bleibt das Leben dann doch kreativ. ☺
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2011 04.10. Dienstag
Schrift und Farbe im Web
Heute kam die “erfreuliche” Nachricht in mein Postfach geflattert, dass die PhoCon Professional in München (ehemals Photoshop Convention) aus diversen Gründen nicht stattfinden wird. Ärgerlich, dass die Veranstaltung ausfällt, zumal ich als Referent gebucht war und mir in den letzten Wochen neben meiner Festanstellung eine Menge Mühe gemacht hatte, einen ansprechenden Vortrag zu planen.
Aber wie dem auch sei, man muss ja immer das Positive sehen, und das bedeutet in diesem Fall: Mein PDF-Booklet, das ich für die Zeit nach der Convention für Alle und Jeden online stellen wollte, findet nun bereits heute seinen Weg an die Öffentlichkeit.
PDF-Booklet “Schrift und Farbe im Web”
Um was geht es in diesem kleinen eBook? Um Schrift und Farbe im Web, insbesondere für diejenigen aufbereitet, die bislang gestalterisch nur wenig mit dem Medium Internet zu tun hatten, aber durchaus Erfahrung in anderen Bereichen sammeln konnten. Es bietet einen kleinen historischen Abriss über die Entstehungswege von Schrift im Web, über die schönen und weniger angenehmen “Charakterzüge” von Schriften am Monitor, bietet Praxistipps aus Usability-Sicht und gibt Inspirationsmöglichkeiten zum Finden und Wählen der passenden Schrift. Ein netter thematischer Wink des “Wasauchimmers” dass gestern erst der Schriftenservice Typekit von Adobe übernommen wurde…
Im zweiten, kürzeren Teil, gibt ein Abriss über Farbe einen Einblick in die Farbpsychologie im Web und das planen barrierearmer Websites durch eine geeignete Farbwahl, die keinen Besucher unabsichtlich ausschliesst
Download des eBooks “Schrift und Farbe im Web”
Ihr könnt das 45 Seiten starke PDF kostenlos herunterladen. Eine kommerzielle Weiterverwendung ist nicht gewünscht, ansonsten fühlt Euch frei, dieses Dokument zu teilen und weiter zu empfehlen.
Viel Spaß beim Durchstöbern!